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Zu Besuch an der St.-Zoe-Schule in Uganda
Ein Gespräch mit Traudel und Peter Konrad

Im Juli 2016 besuchten die zwei Türkenfelder Traudel und Peter Konrad die St.-Zoe-Schule in Uganda. Bereits im Oktober berichteten sie vor vielen Interessierten in einem Vortrag im Pfarrheim über ihre Reise. Lesen Sie hier in einem Gespräch, welche Eindrücke die beiden von Uganda, der Schule und den Menschen gewonnen haben.

? Normalerweise verbringt ihr euren Sommerurlaub in Europa, doch dieses Jahr seid ihr nach Uganda geflogen. Wie kam es dazu?
Traudel Konrad: Das Reiseziel hatten wir schon länger auf unserem Schirm. Eigentlich habe ich immer gezögert, weil es ein Entwicklungsland ist, aber ausschlaggebend war schließlich, dass wir die Zoe-Schule persönlich kennenlernen wollten. Denn Peter und ich sind schon lange bei unserer Sternsingeraktion hier in Türkenfeld aktiv und unterstützen die Schule. Wir wollten einfach sehen, wo das Geld, das dabei gesammelt wird, landet und was daraus entsteht.
Peter Konrad: Außerdem hat uns Father John erst letzten Winter wieder explizit eingeladen, sein Schulprojekt konkret anzuschauen.

? War es eure erste Begegnung mit Afrika?
Traudel: Wir haben das allererste Mal diesen Kontinent bereist.

? Also eine ganz besondere Premiere?
Peter: Ja, für uns eine ganz andere Kultur, ein ganz anderes Klima, eine ganz andere Lebensweise.

? Wie habt ihr euch da vorbereitet?
Traudel: Wir haben uns Reiseführer gekauft, viel gelesen. Im Internet gesucht.
Peter: Wir sind aber auch mit der Einstellung hingereist, wir nehmen‘s, wie’s kommt. Et kütt wie et kütt. (Beide lachen! Anmerkung: Traudel und Peter Konrad sind gebürtige Franken, haben aber etliche Jahre im rheinischen Köln gelebt.)

? Und hat sich diese Einstellung bewährt?
Traudel: Ja, sehr bewährt. Obwohl ich auch ein bisschen skeptisch war als Frau wegen der Hygiene etc. und mich dementsprechend eingedeckt hatte mit Hygieneartikeln. Trotzdem war unser Vorsatz wichtig: kein Stress, wir nehmen es so, wie’s kommt.

? Wie habt ihr euch in Uganda verständigt?
Peter: Das ist ziemlich einfach, denn Englisch ist weit verbreitet und wird in allen Schulen gelehrt. Es ist auch die offizielle Sprache, zusammen mit Suaheli. Insofern war’s einfach, mit den allermeisten Leuten zu sprechen und in Kontakt zu kommen. Allerdings sind die lokalen Umgangssprachen wie Luganda im Alltag weit verbreitet und es gibt bestimmte Leute, die kein Englisch können. Oft waren diese
nicht in einer Schule. Da wird es dann eher schwierig, da muss man sich mit Händen und Füßen verständigen.

? Hattet ihr solche Situationen oft?
Traudel: Nicht oft, aber wenn, dann hat es auch mit Zeichensprache funktioniert.

? Kommen wir zu euren Stationen in Uganda. Ihr hattet ja ganz bestimmte Ziele. Eines war die Zoe-Schule. Seid ihr da gleich hingefahren?
Peter: Wir wurden von Father John am Flughafen abgeholt und sind dann direkt zur Schule gefahren bzw. dorthin, wo er auch sein Haus hat und seine Familie wohnt. Gleich am nächsten Morgen wurden wir in der Schule begrüßt und vorgestellt. Insgesamt waren wir zwölf Tage an der Schule, dazwischen haben wir aber einige Zeit in der Hauptstadt Kampala verbracht, um dort einige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Einige Tage haben wir auch im Queen Elisabeth Nationalpark verbracht, um Elefanten, Löwen und viele weitere Tierarten zu beobachten.

? Dann habt ihr einen sehr intensiven Eindruck von der Schule bekommen, oder?
Peter: Es war uns auch wichtig, dass wir einerseits ungezwungen und ohne detaillierte Planung, aber andererseits mit genügend Zeit mit den verschiedenen Gruppierungen ins Gespräch kommen konnten. Also mit Schülern, Lehrern, Köchen, mit dem Bewachungspersonal, mit anderen Angestellten, und mit den Familienmitgliedern von Father John, die in der Mehrzahl ja ganz in der Nähe der Schule wohnen.

? Was hat euch an der Schule am meisten beeindruckt?
Traudel: Mich haben am meisten die Motivation der Schüler und die positive Stimmung beeindruckt. Die Schüler sind auf uns zugegangen, sie haben uns Fragen zu Deutschland gestellt. Sie waren interessiert, sie waren einfach offen.
Peter: Auch bei mir war’s die positive Stimmung. Nicht nur uns gegenüber, sondern auch untereinander bei den Schülern. Wir waren auch angenehm überrascht über die Schwestern, wie sie die Grundschule, die Aufbauschule und die Berufsschule entwickeln.

? Die Ordensschwestern leiten jetzt seit fast zwei Jahren die Zoe-Schule. Ist schon so etwas wie eine spezielle Handschrift zu erkennen?
Traudel: Wir haben natürlich keinen Vergleich, aber wir haben schon den Eindruck, dass es strukturiert ist. Zum Beispiel, wenn sich die Kinder aufstellen, wenn sie etwas vortragen, war schon eine gewisse Ordnung spürbar.
Peter: Man merkt einfach, dass die Schwestern Erfahrung im Erziehungswesen haben.

? Bei eurem Vortrag habt ihr auch von einem Schulmotto erzählt. Was genau hat es damit auf sich?

Peter: Also für die Aufbauschule lautet das Motto „Education for Life“. Das zieht sich durch viele Aktionen an der Secondary School und steht z.B. auf T-Shirts, die die Schüler tragen. Auch die Primary School, die Grundschule, hat eine sog. „mission“. Sie lautet „to train an all round person capable of self reliance“. Ziel ist also, die Kinder durch Ausbildung zu selbständigen Persönlichkeiten zu erziehen.

? St. Zoe ist eine katholische Privatschule, der Besuch wird überwiegend über Schulgeld und Spenden finanziert. Werden denn nur Katholiken an der Schule aufgenommen?
Peter: Nein, es werden genauso Kinder und Jugendliche anderer christlicher Konfessionen oder Muslime aufgenommen.

? Aus welchem Einzugsbereich kommen denn die Schülerinnen und Schüler?
Peter: Die meisten kommen aus der näheren Umgebung, aus dem Distrikt Mubende. Es gibt aber durchaus einige, die bis aus der Hauptstadt Kampala, also aus bis zu 150 km Entfernung, an die Schule kommen.

? Die fahren aber nicht jeden Tag zwischen der Hauptstadt und der Schule hin und her?
Peter: Nein, die bleiben im Internat, der sogenannten „boarding school“. Das gilt aber auch für Kinder, die nicht so weit zur Schule haben. Denn in Uganda gibt es kein Schulbus-System. Ungefähr zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen bleiben im Internat, die anderen laufen jeden Tag zur Schule.

? Wie sieht denn ein typischer Schultag in St. Zoe aus? Gibt es da Unterschiede zwischen Primary und Secondary School?
Peter: Grundsätzlich ist der Ablauf an beiden Schulen ähnlich. Die Größeren stehen schon um 5 Uhr auf, die Kleineren um 6 Uhr. Nach dem Waschen und den Vorbereitungen für die Schule gibt es dann bis zum Mittagessen um 1 Uhr in der Regel zwei größere Unterrichtsblöcke mit Pause dazwischen. Nach der Mittagspause gibt es einerseits Spiel und Sport, andererseits aber auch nochmal Unterricht. Der kann sich bis in den Abend hineinziehen. Neben der Freizeit sind aber auch verschiedene Dienste zu erledigen und die Schüler waschen ihre eigenen Kleider selber, und zwar per Hand.

? Wer kümmert sich um das Essen für die Schüler? Werden alle bekocht?
Traudel: Die Grund- und die Aufbauschule haben jeweils eigene Küchen, die Kinder, auch die Tagesschüler aus der „Day School“, werden also bekocht. Darum kümmern sich Köche und weitere Helfer.

? Und was steht auf dem Speiseplan?
Traudel: Die Schüler bekommen fast 365 Tage das gleiche Essen. Das beginnt morgens mit einem Porridge, das ist ein flüssiger Maisbrei. Der ist süßlich und wird aus der Tasse getrunken. Zwischen den beiden Unterrichtsblöcken am Vormittag bekommen sie nochmal eine Tasse Porridge. Mittags gibt es Posho, das ist Mais in festerer Form, etwa von der Konsistenz wie ein Kartoffelbrei. Dazu gibt es in der Regel Bohnen und Sauce. Ab und an ist es alternativ auch Reis oder Maniok mit Bohnen. Abends wird das Gleiche wie mittags gegessen. Alles wird immer frisch zubereitet von den Köchen. An Sonn- und Feiertagen kommt manchmal noch als Ausnahme Gemüse aus dem Schulgarten dazu, zum Beispiel Zucchini oder Süßkartoffeln.
Peter: Fleisch gibt es kaum bis nie.

? Habt ihr auch oft Maisbrei gegessen?
Traudel: Wir haben das Essen probiert, es war gut, aber das jeden Tag! Hm, das ist gewöhnungsbedürftig.
Peter: Wir selber wurden allerdings von der Familie von Father John sehr gut bekocht mit vielfältigen lokalen Gerichten, darunter Kochbananen und auch oft gebratenes oder gekochtes Fleisch. Wir bekamen auch viele frische Früchte. Ananas vom Acker, Papayas und Avocados vom Baum. Die haben natürlich besonders intensiv geschmeckt.

? Seit einem Jahr ist die Schule jetzt an die Wasserversorgung angebunden. Hat sich dadurch eigentlich die Wasserproblematik verbessert?
Peter: Mit dem öffentlichen Anschluss ist die Grundversorgung gesichert. Aber nach wie vor ist es notwendig, das Wasser von den Dächern in Zisternen und Behältern zu sammeln, auch aus Kostengründen. Denn grundsätzlich ist in Uganda die Wasserversorgung sehr schwierig und ein echtes Problem im Alltag, obwohl das Land direkt am Äquator liegt. Man muss also sehr sorgsam mit dem kostbaren Gut umgehen, auch an der Schule.

? Wie habt ihr euch gewaschen?
Traudel: Mit einem Kanister Wasser, den vorher jemand aus ca. einem Kilometer Entfernung herantransportiert hat.
Peter: Viele Häuser, gerade auf dem Land, sind nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen, auch das Haus von Father John nicht. Deshalb wird das Wasser in Kanistern auf dem Fahrrad oder mit dem Moped antransportiert. Dementsprechend sparsam geht man natürlich beim Waschen und Kochen damit um. Es gibt aber auch noch genügend Ärmere, die sich das Wasser nicht leisten können. Die holen sich ihr Trinkwasser und ihr Brauchwasser aus öffentlichen Gewässern von manchmal zweifelhafter Qualität.

? Die Stromversorgung ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Wie sieht es damit an der Zoe-Schule aus?
Peter: Es gibt in der Gegend keine öffentliche Stromversorgung, erst wieder in der Distrikthauptstadt Mubende, die ca. 15 km entfernt
liegt. Die Schule hat ein Notstromaggregat, mit dem zum Beispiel Computer oder die Sägen der Berufsschule betrieben werden können. Daneben gibt es auf den Dächern Solarpanelen, die allerdings nur für die Grundbeleuchtung und wenige andere Zwecke ausreichen.
Traudel: Die sind allerdings zu wenig. Auf den Schlafräumen der Mädchen zum Beispiel gibt es derzeit keine. Wenn jemand nachts auf die Toilette nach draußen muss, haben sie nur eine einzige Taschenlampe. Mit Solarpanelen hätte man wenigstens eine Grundbeleuchtung.

? Gab es auf eurer Reise Momente oder Erlebnisse, die euch ganz besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Traudel: Mir fällt da ganz spontan etwas ein, das sich auf die Schule bezieht. Die ganz kleinen Kinder der Vorschule dort sind ja erst fünf Jahre alt und die haben, wo wir jetzt waren, noch kaum Europäer gesehen. Da kam ein kleiner Junge zu mir, hat mich „wuzumbu“ genannt, das ist das Wort für Bleichgesicht, und hat versucht, meine Haut wegzurubbeln. Er wollte wissen, ob das angemalt ist. Ich war dabei im Gras gesessen, weil die Kinder sich um mich versammelt hatten. Und dann ist noch einer gekommen und hat mein Haar angefasst. Afrikanische Kinder haben ja kleine Locken bzw. krause Haare, und er konnte sich so gar nicht vorstellen, was es mit meiner Haarfarbe und der Haarlänge auf sich hat.
Dann war da noch etwas anderes. Als wir das erste Mal über Land gefahren sind, war ich geschockt von dem Müll, den man überall gesehen hat. Überall Müll, Plastikmüll, unglaublich!
Peter: Die Eindrücke waren wirklich vielfältig. Beginnend mit sehr großer Armut und einfachsten Verhältnissen, über beeindruckende Tiererlebnisse mit Elefanten und Löwen im Nationalpark, bis hin zur Offenheit und Freundlichkeit der Menschen.
Traudel: Sie sind auch ein sehr junges Volk, wir haben sehr viele junge Mütter gesehen und sehr viele schwangere Mütter. Besonders auffällig ist auch, dass sie ein Volk des Laufens sind. Viele sind zu Fuß unterwegs, das erste Transportmittel sind die eigenen Füße.

? Sprechen wir noch kurz über Father John. Er ist ja der, der die Schule in seinem Heimatort gegründet und mitaufgebaut hat. Das ist nun schon fast 20 Jahre her. Wie ist eigentlich aktuell seine Rolle?
Peter: Er ist weiterhin eine entscheidende Einflussperson und Kraft, die auch die Richtung für die Schule vorgibt. Natürlich in Abstimmung mit dem Schwesternorden. Und er unterstützt selber zusammen mit seiner Familie nach wie vor tatkräftig das Ganze.
Traudel: Kürzlich hat er z.B. eine Strickmaschine für die Berufsschule organisiert.
Peter: Er hält auch Kontakt zu potentiellen Lehrern oder er unterstützt Leute, die später dann wieder an der Schule tätig sind. Ganz wichtig auch: Er ist die Nahtstelle nach Europa. Ob nach Türkenfeld, Neuburg, Bad Grönenbach oder nach Manchester.
Peter und Traudel: Er ist nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt der Schule.
Peter: Er will sich auch noch länger und intensiver um die Schule kümmern, sofern es ihm seine jetzige Tätigkeit an der kath. Universität von Ostafrika erlaubt.

? Wie können wir eurer Meinung nach hier in Türkenfeld und Zankenhausen die Schule am besten unterstützen?
Peter: Ich denke, man sollte nicht die Erwartung haben, dass alles sehr schnell geht, sondern man braucht einen langen Atem. Ich glaube, das ist besonders typisch für solche Projekte in Entwicklungsländern. Einerseits hilft natürlich weiterhin eine Unterstützung in Form von Spenden, weitere Ausbaupläne haben wir mit den Schwestern diskutiert. Andererseits ist es aber auch wichtig, dass man in Kontakt bleibt mit den entscheidenden Leuten und ihnen dadurch zeigt, dass wir Interesse an ihrer Arbeit haben.
Traudel: Ganz wichtig ist der Austausch mit Bildern, Informationen, mit Besuchen, Gegenbesuchen. Vielleicht auch, dass wir einen Unterstützerkreis hier aufbauen. Durch regelmäßige Kontakte entstehen auch neue Ideen und Impulse. Zum Beispiel haben wir mit Father John über das duale Ausbildungssystem in Deutschland gesprochen. Er zeigte sich besonders an der Kooperation mit Unternehmen interessiert.

Interview: Gerhard Meißner

Bild 1: Schwester Josephine, Father John, Schwester Susan und Schwester Gloria (von links) begrüßen Traudel und Peter Konrad an der St.-Zoe-Schule in Kagoma/Uganda.

 

Bild 2: Kinder der Grundschule (Primary School) drängen sich interessiert um die Besucher aus Deutschland.
 

 

Bild 3: Schüler der Grundschule (Primary School) arbeiten an einer landesweiten schriftlichen Prüfung.

 

Bild 4: Schüler der Aufbauschule während eines Vortrages.

 

 

Bild 5: Den ältesten Teil der Anlage bildet die Grundschule mit den Klassenzimmern, dem Lehrerzimmer und den Verwaltungsräumen.

 

 

Bild 6: Auch die Schüler in Uganda genießen ihre Pause.

 

 

Bild 7: In der Berufsschule für Schreiner wurden Bienenkästen hergestellt, die dann verkauft werden können.

 

 

Bild 8: Anstehen für die Essensausgabe.

 

 

Bild 9: Zur Berufsschule gehört auch eine kleine Landwirtschaft mit Tieren.

 

 

Bild 10: An der Abzweigung von der Nationalstraße zum Schulgelände.

Fotos: Peter Konrad

Katholisches Pfarramt Mariä Himmelfahrt  | pfarramt-tuerkenfeld[at]bistum-augsburg.de