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Stille Stars VII: Die Geburt Christi mit Krippenfiguren darstellen

Die siebte Folge unserer „Stillen Stars“ ist denjenigen gewidmet, die dafür sorgen, dass unsere Weihnachtskrippe pünktlich ab dem vierten Advent in der Marienkapelle der Türkenfelder Kirche zu betrachten ist.

Ende Oktober, wenn für andere Weihnachten noch ganz weit weg ist, beginnen im Hause Klaß bereits Krippenvorbereitungen. Es gilt Moos zu sammeln. Vier große Malereimer voll werden gebraucht, dann ist man auf der sicheren Seite, so die Erfahrung von Max Klaß. Der 70-jährige kümmert sich seit vier Jahren um die Weihnachtskrippe in der Türkenfelder Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

„Im Herbst 2006 kam Franz Pittrich von der Kirchenverwaltung auf mich zu und hat gemeint, des Kripperl stellen wir auf“, erinnert er sich. Gesagt, getan. Die Vorarbeiten wie Moossammeln und Moostrocknen übernehmen Max Klaß und seine Frau noch allein. Doch wenn es ab dem vierten Advent darum geht, den Unterbau für die Krippe zu konstruieren, packen Max Klaß und Franz Pittrich gemeinsam an.

Drei Holzböcke, 15 lange Bretter, der Holzrahmen für die rückwärtige Leinwand, dazu die vordere Schutzverglasung, der schwere Stall und die kleinen Nebengebäude – all das ist aus dem Lagerraum unter dem Leichenhaus bis in die Kirche zu transportieren und dort zusammenzubauen. Das dauert alles in allem zwei bis drei Stunden. „Gut, dass wir dieses Jahr auch noch Unterstützung von Sebastian Deininger hatten“, gibt Max Klaß zu. „Zu dritt geht’s schneller und dann sieht auch gleich ein Junger, wie das Kripperlbauen geht.“

Schon dem Großvater zur Hand gegangen

Wie wichtig das Mithelfen ist, weiß Max Klaß aus eigener Erfahrung. Als Zehnjähriger hat er schon von seinem Großvater Josef Klaß viel gelernt. „Mein Großvater war über 40 Jahre lang Mesner unter den Pfarrern Flad und Kiefer. Damals in den Vierziger- und Fünfzigerjahren hat er auch viele Jahre lang unsere Krippe aufgestellt und ich hab als Bub mitgeholfen.“

Schon zu dieser Zeit stand die Krippe in der Marienkapelle. Als Kulisse für Stall, Maria, Josef und das Jesuskind dienten damals aber Wacholderbüsche und große Tuffsteine. Später wurden für den Hintergrund Fichtenbäumchen verwendet, bis schließlich ein Künstler eine Stoffleinwand mit Bethlehem-Motiven bemalte. Die Leinwand wird noch heute auf einem Holzrahmen festgemacht und versetzt das Geburtsgeschehen in ein Tal im Gebirge des Heiligen Landes.

Wertvolle Osterrieder-Krippe von 1908

Woher die Leinwand stammt, kann Max Klaß nicht sagen, dafür weist er umso stolzer darauf hin, dass die Türkenfelder Krippe aus der Werkstatt des berühmten Krippenbauers Sebastian Osterrieder stammt. Dieser Künstler hatte sich ab dem Ende des 19. Jahrhunderts besonders verdient gemacht um die Wiederbelebung des Krippenbaus. Krippen aus Osterrieders Münchner Werkstatt sind unverwechselbar, sie sind sofort an der einzigartigen Machart der Hartguss-Figuren erkennbar. Auch das weiß Max Klaß, denn er hat sich in den letzten Jahren viel mit Sebastian Osterrieder beschäftigt. „Unsere Türkenfelder Krippe stammt zum Beispiel aus dem Jahr 1908, das steht hinten auf dem Stall.“

Von den damals angefertigten Krippenfiguren sind immerhin noch 30 original erhalten, darunter Maria, Josef, Jesus in der Krippe, verschiedene Hirten, die drei Könige und die Kamele mitsamt ihren Kameltreibern. Bei den Schafen sieht es dagegen düster aus, „die sind fast alle Ersatz, nachdem die originalen Osterrieder-Schafe Füße bekommen haben.“ Um noch mehr Schwund durch Diebstahl zu verhindern, wurden in der Zeit von Pfarrer Gabriel Haf (1972-90) Glasscheiben für die Vorderseite der Krippe angefertigt.

 

Die Kamele kommen ganz nach vorne

Die Krippenfiguren setzt Max Klaß wenige Tage vor Heiligabend eigenhändig in Szene. „Das macht man besser allein und in Ruhe.“ Rund drei Stunden braucht er, um alles mit Moos auszulegen und die Heilige Familie, die Hirten und die Tiere aufzustellen. Am 5. Januar wird noch mal umdekoriert. Dann kommen mit den drei Königen und ihrem Gefolge weitere Hauptfiguren dazu. Auch bei dieser letzten Arbeit profitiert er von seinen langjährigen Kenntnissen als Helfer und seiner Erfahrung als Opa: „Die Kamele stelle ich immer weit vorne hin, die mögen die Kinder am liebsten.“ Kommendes Weihnachten kann er auch endlich wieder eine weitere Osterrieder-Figur aufstellen, die besser zur Anbetung der Könige passt. „Es ist eine sitzende Maria, bei der ein Arm abgebrochen war und die Martin Leßner gerade repariert hat.“ 

Unsere Weihnachtskrippe bleibt noch bis Mariä Lichtmess in der Marienkapelle aufgebaut. Dann werden die Figuren wieder bis Dezember in Schachteln und Kisten verstaut. Wer sich mehr über die Machart unserer Krippe sowie Leben und Werk Sebastian Osterrieders interessiert, dem sei folgendes 2010 erschienenes Buch über den Künstler ans Herz gelegt: Sebastian Osterrieder – Der Erneuerer der künstlerischen Weihnachtskrippe, von Hermann Vogel, erschienen im Kunstverlag Josef Fink, ISBN 978-3-89870-562-2.

In diesem reich bebilderten Werk sind auch alle weit über 100 derzeit bekannten Osterrieder-Krippen aufgeführt, darunter St. Peter in München, der Dom zu Linz, die Pfarrkirche in Buchloe, St. Ottilien und natürlich Türkenfeld.

Gerhard Meißner

 

Katholisches Pfarramt Mariä Himmelfahrt  | pfarramt-tuerkenfeld[at]bistum-augsburg.de