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Uganda 2017: Interview mit Rainer Hegnauer 

 

?? Rainer, du bist ja schon sehr lange mit John bekannt und hast von Anfang an die Entwicklung der Zoe-Schule in Uganda mitbekommen. Wie war dein Eindruck, als du jetzt zum ersten Mal dort hingekommen bist? Was ist dir dabei durch den Kopf gegangen?

Rainer Hegnauer: Also, der erste Eindruck war schon überwältigend. Es ist ein Riesengelände, es schaut ja fast aus wie ein Flugplatz, wenn man außen den Zaun sieht und die Sicherheitsvorkehrungen. Alles ist wunderschön angelegt, mit Grünflächen, das Gras gemäht, die Gebäude da drin – also eine recht ansprechende Atmosphäre. Und als wir reingekommen sind, natürlich auch das Empfangskomitee mit den Schülern. Wie die sich aufgestellt und jeden per Handschlag begrüßt haben. Das war schon ein Erlebnis. Auch wie wir dann rumgeführt worden sind. Zuerst zum Verwaltungsgebäude und zum Platz, wo die Messe stattgefunden hat. (…) 


?? Was ist dir jetzt nach einigen Wochen Abstand noch am meisten in Erinnerung?

R.H.: Also positiv auf jeden Fall dieser Empfang, dieses Gelände, die Gebäude. Das war wunderbar. Wenn man allerdings innen rein schaut, entspricht die Innenausstattung auf keinen Fall unseren Vorstellungen. Die Schulräume lass‘ ich mir noch eingehen. Selbstgezimmerte Schulbänke, die waren verkratzt und verschnitzt wie überall, aber das g‘hört dazu, das ist gar nichts Negatives. Aber im Schlafsaal, dass da über 50 Betten drin sind und sonst nichts, praktisch auf dem blanken Betonboden. Jeder hat eine Kiste für seine ganzen Habseligkeiten, Schulsachen, Gwand und alles durcheinand. (…)


?? Da schluckt man erst einmal, oder?

R.H.: Ja, aber man muss sich wundern, wie sie alle ordentlich angezogen sind, alle mit Schulkleidung. Das ist wieder sehr ansprechend. 


?? Wie ist es dir ergangen, als du die Sanitäranlagen gesehen hast, zum Beispiel die Waschmöglichkeiten?

R.H.: Ja, da möchte ich nicht drauf angewiesen sein. Aber die kennen es wohl nicht anders und sind nicht so anspruchsvoll. Wie ich gehört hab‘, dass zum Waschen jeder eine Schüssel voll Wasser kriegt und mit der muss er seine ganze Körperpflege machen und auch noch seine Wäsche waschen! (…) Aber die sind halt nicht so verwöhnt, und Wasser ist knapp. Da müssen sie mit dem auskommen, was sie haben. Aber sie machen daraus das Beste, glaube ich.


?? Wie hat dir der Bereich der Berufsschule gefallen? Der Raum, in dem sie bereits arbeiten.

R.H.: Der große Raum mit den Nähmaschinen. Ja es ist gut, dass es sowas gibt. Aber sonst schon etwas erschreckend. Vor allem ist mir die stickige Luft aufgefallen, die dort drin war. So viele Halbwüchsige aufeinander, das weckt Erinnerungen an früher, wenn man in Schulklassen hinein gekommen ist. Aber sie haben Plakate aufgehängt, man sieht, sie haben Enthusiasmus und sind mit Feuereifer dabei. Das ist natürlich eine schöne Sache. Ich glaub‘, wir als Europäer sind geneigt, alles zu perfekt haben zu wollen. Aber wenn man sich da rein versetzt, was sie als Standard haben, dann ist das vollkommen in Ordnung.


?? Schwester Juliet hat mir drei Projekte genannt, die an der Schule unbedingt verbessert werden müssen. Das sind das Schwesternhaus und die Schlafräume, außerdem Solar und Energie. Ist das für dich schlüssig?

R.H.: Auf jeden Fall. Bei den Sanitäranlagen sind sie ja schon dabei, da wird schon viel gemacht. Das nächste sind unbedingt die Schlafräume. Und das Schwesternhaus ist sehr dringend. So eine Kammer ist ja nicht menschenwürdig. Ich hab mir das ausgerechnet. Das ist pro Schwester ein Raum von 6 m2, und dann auch so ein 6-m2-Raum als Gemeinschafts-, Wohn-, Ess- und Gebetsraum für alle fünf Schwestern zusammen. Das kann’s nicht sein, da muss auf jeden Fall etwas wesentlich Größeres her. Dass die Kammerl wie in einer Klausur einfach sind, das kann man akzeptieren, aber irgendein größerer Gemeinschaftsraum und ein Gebetsraum müssen unbedingt her.


?? Was meinst du zu den Schlafräumen für die Schüler?

R.H.: Viel zu eng, da braucht man auf jeden Fall mehr. Man hat ja damals nicht abschätzen können, wie schnell sich die Schule entwickelt. Die Gebäude können halt damit nicht Schritt halten.


?? Auch das Thema Solar und Energie gehört dringend verbessert, oder?

R.H.: Unbedingt. Schließlich ist genügend Sonnenenergie da, das muss man halt einfangen und was daraus machen. Aber ich weiß auch, dass Kollektoren furchtbar teuer sind und für ihre Standards fast unerschwinglich. Genau deshalb müssen wir schauen, dass wir diese Projekte mit Spenden gezielt unterstützen.


?? Wenn du jetzt gesehen hast, was Father John in rund 20 Jahren mit St. Zoe aufgebaut hat, macht es dich nicht auch ein wenig stolz, dass wir aus Türkenfeld dabei mitgewirkt haben?

R.H.: Ja, es ist ein enormer Fortschritt und eine enorme Leistung, wie John das alles vorangebracht hat. Natürlich hatte und hat er auch gute Helfer: seine Familie, sein Bruder Andrew zum Beispiel, und viele andere Leute, die mitarbeiten. 


?? Was hältst du davon, dass jetzt der Schwesternorden die Leitung der Schule übernommen hat?

R.H.: Ich finde das sehr gut, gerade aus unserer europäischen Sicht, weil da eine Linie und Struktur reingekommen sind, die man unbedingt braucht. John hatte ja seine Hauptaufgabe weit weg an der Universität, da konnte er in der Vergangenheit nicht immer alles nebenbei verwalten und uns ständig informieren. Mit den Schwestern ist es sehr gute Sache, die haben die Aufgaben gut aufgeteilt, und sie haben die Unterstützung der Mutter Oberin. Ich finde es sehr gut, dass die auch dahinter steht. Deshalb finde ich es auch sehr wichtig, dass wir den Schwerpunkt auf das Schwesternhaus legen und sie dabei unterstützen können.


?? Ich gehe davon aus, dass bei dieser Reise die Schule für dich ein Highlight war?

R.H.: Auf jeden Fall. Das war ja der Hauptgrund für unseren Besuch. Und es war gut, dass wir einen ganzen Tag zur Verfügung hatten. Auch für das Umfeld und die Familie von John. (…) Sehr schön habe ich aber auch den Gottesdienst bei der Graduationfeier von Johns Neffen empfunden. Vor allem, weil der Bischof das ideal gemacht hat. Ich habe alles verstanden, was er gesagt hat. Und dann war ich genau neben dem Chor, die haben alle begeistert mitgesungen. Das war schon ein Erlebnis. (…)


?? Gab es für dich bei der Reise durchs Land noch andere Highlights?

R.H.: Die vielen Menschen am Straßenrand. Irgendwie ist das ganz schön, die Leute sind offen, nett, gehen auf einen zu, grüßen. Trotz ihrer Armut. Man kommt schnell mit ihnen ins Gespräch, zum Beispiel wenn man an einem Stand steht, wo sie Pfannkuchen anbieten. Interessant ist auch die Landschaft, alles ist grün, Riesenflächen wären da, die man bearbeiten könnte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier eine Hungersnot gibt. (…) 


?? Und wie hat dir der Nationalpark gefallen?

R.H.: Einmal durchfahren hätte mir schon gereicht. Ständig Foto hin und Foto her, das war mir zu viel. (…) Die Erklärungen des Rangers fand ich aber sehr interessant. (…) Richtig erholsam war die Bootsfahrt auf dem Nil, die hat mir gut gefallen. Vom Wasser aus die Tiere beobachten, gerade die Nilpferde, wo man zunächst gar nichts sieht und plötzlich ist da so ein Koloss da. Auch die Landschaft, die Natur, alles grün und bewachsen. Das hat ziemlich europäisch ausgeschaut. Sogar die Wasserfälle. 


?? Ich gehe davon aus, dass dir bei der ganzen Reise und der vielen Zeit im Bus am meisten die Bewegung gefehlt hat?

R.H.: Ja, absolut. Das hab' ich am Wochenende wieder genossen. Das Rütteln im Bus dagegen war höchstens für die Venen gut, dass man dort keinen Stau bekommt.

Katholisches Pfarramt Mariä Himmelfahrt  | pfarramt-tuerkenfeld[at]bistum-augsburg.de